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Heilpflanze Kamille

Matricaria recutita - Die echte Kamille

Der Einsatz der Kamille als Heilpflanze hat eine jahrtausendealte Tradition. Bereits seit der Antike wissen Heilkundige die vielseitige Wirkung der Pflanze zu schätzen. Im alten Ägypten und bei den germanischen Völkern sah man die Pflanze als heilig an: Die Ägypter weihten sie dem Sonnengott Re, die Germanen dem Lichtgott Baldur. Heute zählt die Kamille zu den populärsten europäischen Heilpflanzen. Sie ist ein beliebtes Hausmittel bei seelischen und körperlichen Beschwerden, das in fast jedem Haushalt zu finden ist.
Standort: Auf Äckern, an Wegrändern.

Aussehen: 10 bis 50 cm hoher, unbehaarter Stängel; dieser Stängel verästelt sich mehr oder weniger stark. Die Blätter sind stark eingeschnitten mit zarten, ganz dünnen Zipfelchen. Der Geruch ist leicht nach Gewürz, der Geschmack bitter.

Häufige Verwechslung: Mit der sehr ähnlichen, aber geruchlosen Hundskamille.

Blüte: Korbblüte; Strahlenblüten weiß, Scheibenblüten gelb, die Zipfeichen letzterer meist zurückgeschlagen. Der Blütenboden ist im Gegensatz zu dem der Hundskamille hohl.

Blütezeit: Mai bis September.

Sammelzeit: Während der Blüte.

Verwendung: Blütenköpfe.

Wirkstoffe: Azulen, Gitterstoffe, Cholin, Salizylsäure, Apiigenin.

Heilende Wirkung

Die Kamille wirkt krampflösend, schmerzstillend, entzündungshemmend und antibakteriell und kann durchaus als natürliches Antibiotikum gelten. Traditionell wird sie bei Magen-Darm-Erkrankungen sowie Entzündungen im Hals- und Rachenbereich eingesetzt. Aber auch bei Blasenentzündungen, Hauterkrankungen, Rheuma und Zahnfleischentzündungen verschaffen die Wirkstoffe der Kamille Linderung. Aufgrund ihrer beruhigenden Wirkung eignet sich die Kamille auch zur Behandlung von Unruhezuständen und nervösen Verstimmungen.

Merkmale und Vorkommen

Wenn im Volksmund die Rede von der Heilpflanze Kamille ist, dann ist damit in der Regel eine ganz bestimmte Kamillenart gemeint: die echte Kamille. Sie ist unter dem lateinischen Namen Matricaria chamomilla bekannt, wird häufig aber auch als Matricaria recutita bezeichnet. Rein optisch ist die echte Kamille nur schwer von einigen anderen verwandten Arten, etwa der hochallergenen Hundskamille, zu unterscheiden. Ein prägnantes Merkmal der echten Kamille ist der typische Kamillengeruch, der sich beim Zerreiben der Blütenblätter entfaltet. Blütezeit der Kamille ist von Mitte Mai bis September. In freier Natur findet man die Pflanze, die gerne auf nährstoffreichen Lehmböden siedelt, häufig in der Nähe von Getreidefeldern oder auch am Wegesrand. Beheimatet war die Kamille ursprünglich in Ost- und Südeuropa sowie in Vorderasien. Heute wird sie auf Äckern in ganz Europa, in Nordamerika und sogar Australien angepflanzt. Die größten Kamillenanbaugebiete befinden sich in Ägypten, der Türkei, Spanien und Südamerika.

Inhaltsstoffe und Anwendungsgebiete

Als pharmazeutische Droge werden in erster Linie die Blütenköpfe der Kamille verwendet. Sie bestehen aus gelben Röhrenblüten und weißen Zungenblüten und besitzen einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern. Sie enthalten wertvolle ätherische Öle, deren Inhaltsstoffe für die heilende Wirkung der Kamille verantwortlich sind. Bisabolol, Chamazulen, Flavonoide und Cumarinderivate fördern die Wundheilung und wirken Entzündungen entgegen. Zur Heilung werden überwiegend getrocknete Kamillenblüten eingesetzt. Beliebt ist auch konzentriertes Kamillenöl, das durch Wasserdampfdestillation aus den Blüten gewonnen wird. Die Anwendung kann, abhängig von der Art der Beschwerden, sowohl innerlich als auch äußerlich erfolgen. Spülungen, Bäder und Inhalationen mit Kamille haben sich bei Atemwegserkrankungen und Hautproblemen bewährt. Bei Beschwerden im Magen-Darm-Bereich empfiehlt sich die Einnahme in Form von Tropfen oder als Kamillentee. In der Homöopathie wird die echte Kamille bei akuten Schmerzen, aber auch als Mittel gegen Jähzorn und Stress eingesetzt. Die Inhaltsstoffe der echten Kamille sind in der Regel sehr gut verträglich. Treten bei der Behandlung dennoch allergische Reaktionen auf, sind diese häufig auf Verunreinigungen mit anderen Kamillenarten zurückzuführen. Im Bereich der Augen sollten Kamillenpräparate grundsätzlich nicht angewendet werden, da es hier leicht zu Reizungen kommen kann.

Möglichkeiten der Zubereitung

Hat man keine frischen Blüten zur Hand, so überbrüht man 1 Esslöffel getrockneter Blüten mit 1 Tasse Wasser und lässt diese eine Stunde ziehen.  Nach Abgießen den Blütenrückstand gut auspressen.
Zur äußeren Anwendung muss der Kamillentee konzentrierter hergestellt werden: hierfür rechnet man 2 ½  Esslöffel auf 1 Tasse Wasser.

Wer über längere Zeit Kamillentee trinken möchte, kann diesem gut etwas Pfefferminzblättern beimischen.
 Bei Magenschleimhautentzündung und Magengeschwür trinke man täglich vor und zwischen den Mahlzeiten („auf leerem Magen") 2-6 Tassen Kamillentee. Die Beschwerden werden schnell nachlassen; trotzdem sollte man den Tee mindestens 2 Monate lang täglich trinken.

Bei krampfartiger Dickdarmverstopfung oder Dickdarmentzündung wirken Einläufe mit Kamille ausgezeichnet.
Schlechtheilende Wunden, Unterschenkelgeschwüre, Zahnfisteln und andere Fisteln, Halsentzündungen und juckende Ekzeme reagieren ausgezeichnet auf Kamillenspülungen bzw. Kamille-Umschläge.
Kamillenbäder (man rechnet 100 g Kamillenblüten auf ein Vollbad) kann man ebenfalls bei juckenden, chronischen Ekzemen und ausgedehnten Wunden anwenden.

Erwähnen möchte ich noch die Verabfolgung heißer Dampfbäder bei entzündeten Hämorrhoiden: in einen Eimer schüttet man 1-2 Handvoll Kamillenblüten, überbrüht diese mit 3 Liter kochendem Wasser und setzt sich vorsichtig darüber, sodass der Eimer oben abgeschlossen ist.