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Heilpflanze Passionsblume (Passiflora incarnata) 

Vorkommen

Die Passionsblume, lateinisch Passiflora incarnata, gehört zur Familie der Passionsblumengewächse, die etwa 530 Arten umfasst. Sie ist im Süden der USA, in Mexiko, Südamerika, besonders Brasilien, auf den Antillen und den Bermuda-Inseln beheimatet, da sie trockene Böden bevorzugt. Auch in Europa kann die ausdauernde Pflanze, welche 1609 eingeführt wurde, in frostfreien Lagen gedeihen. 2011 war sie die Arzneipflanze des Jahres.

Merkmale

Die rankende Pflanze ist mehrjährig und wird bis zu 10 Meter hoch. Ihre wechselständigen Blätter sind unbehaart und dreiteilig gelappt, an den Stielen befinden sich Saftdrüsen. Die Blüten sind weiß mit einem violetten Kranz und können bis zu 18 Zentimeter groß werden. Die wohlschmeckenden Früchte sind orangefarben und haben viele Samen.

Drogen

Bei der medizinischen Anwendung kommt das getrocknete Kraut ganz oder geschnitten zum Einsatz. Auch frische Blätter und Stängel können als Tee zubereitet werden.

Wirkstoffe

Die Passionsblume enthält unter anderem Flavonoide (Apigenin, Luteolin, Isovitexin, Vitexin), γ-Pyronderivate (Ethylmaltol und Maltol) und Vitamin C. Bis jetzt sind jedoch noch nicht alle Inhaltsstoffe identifiziert und untersucht worden.

Pharmakologie

Die enthaltenen Inhaltsstoffe Maltol und Ethylmaltol wirken beruhigend und krampflösend auf das zentrale Nervensystem. Dieser Effekt konnte in Versuchen nachgewiesen werden. Allerdings gibt es noch wenige Studien, sodass noch nicht alle Bestandteile und Wirkstoffe ausreichend geprüft werden konnten.

Anwendung

Die Heilpflanze gehört in Süd- und Nordamerika zur Volksmedizin. Traditionell wird sie dort bei Schlafstörungen, Depressionen, nervösen Beschwerden, Unruhezuständen und Hysterie angewendet. In Europa gehören auch Neuralgien, spastisches Asthma und nervöse Tachykardie zu den Indikationen. Die Passionsblume ist häufig ein Bestandteil in Teemischungen, meistens zusammen mit Baldrian, Hopfen und Melisse. Nebenwirkungen sind normalerweise nicht zu erwarten.

Homöopathie

Für das homöopathische Mittel Passiflora incarnata HAB 1 werden die frischen, oberirdischen Pflanzenteile verarbeitet. Eingesetzt wird das Mittel bei Unruhezuständen, Krankheiten des Zentralnervensystems, Schlafstörungen und Krampfleiden.

Medikamente mit Passionsblume

Extrakte der Passionsblume sind außerdem Bestandteil vieler Kombinationsmittel, besonders in Medikamenten zur Beruhigung, Stärkung von Herz und Kreislauf sowie bei Angstzuständen.

Zubereitung und Dosierung

Die Droge darf in einer Höchstdosis von 8 Gramm pro Tag eingenommen werden. Der Tee wird aus 2 Gramm fein geschnittenem Kraut zubereitet und entweder 3 Tassen über den Tag verteilt getrunken oder 1-2 vor dem Schlafengehen.

Blume mit Symbolik

Das besondere Aussehen der Passionsblume inspirierte offenbar die Fantasie der Menschen. Die Bestandteile der Blüte ließen katholische Missionare in Südamerika an die Passion Jesu und die Werkzeuge denken, mit denen er gemartert worden ist. Der Fadenkranz erinnerte sie an die Dornenkrone und die Ranken an die Geißeln, die drei Narben ließen an Nägel denken, die Staubblätter symbolisieren die fünf Wundmale, die Laubblätter die Lanze, der Fruchtknoten ähnelt einem Kelch und die weiße Farbe schließlich steht für die Unschuld des gekreuzigten Christus. Aufgrund dieser symbolischen Verbindungen soll die Pflanze zu ihrem Namen gekommen sein. Auch in der Kunstgeschichte wurde die Blume unter diesem Aspekt beachtet und betrachtet.

Zimmer- und Nutzpflanze

Das symbolträchtige Gewächs ist auch als Zimmerpflanze beliebt, besonders als Blaue Passionsblume. Zur Untergattung von Passiflora gehören weitere Pflanzen mit essbaren Früchten wie etwa die Maracuja. Andere Arten haben gelbe, orangefarbene und rote Blüten.